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CD TIPPS

[Zum Inhalt CD Tipps]

(aus Music-Eagle April/Juni 2002)

Twango
Waiting For The Weekend
Töne 1056-01

Waiting For The weekend - My Cadillac - Man, What A Woman - Be Happy - Gee, How I Miss You - I've Got The Hobo Blues - You're The End Of The Rainbow - I Want To Rock, I Want To Roll - Red Hot Sun - Someone Loves Me - Better Times - Charlie My Friend - Who Do You Think You Are - A Saturday To Do

Twango, der mit bürgerlichem Namen Michael Niedzwetzki heißt, lebt in Berlin, ist aber in Mecklenburg aufgewachsen. Dies erklärt vielleicht, die für meinen persönlichen Geschmack unzureichende, englische Aussprache. Ich frage mich, wenn ich so was höre immer, warum singt der denn nun nicht auf deutsch...? Zum Glück wurden alle Texte der CD von Ron Davis geschrieben, ein Amerikaner, der in Deutschland lebt, so stimmen wenigstens Vokabeln und Grammatik.

Sicher ist Twango nun nicht der begnadetste aller Sänger, dennoch kann man seiner Stimme durchaus etwas abgewinnen. Musikalisch ist die vorliegende CD durchaus als Country zu bezeichnen , wenngleich die typischen Berliner Countrysubkultur Töne der späten 80er und frühen 90er Jahre nicht zu überhören sind. Berlin hatte zur damaligen Zeit zahlreiche Bands, die Alternativcountry und Country Punk machten. Sicher etwas wo sich die Ohren des Zuhörers erst dran gewöhnen müssen, jedoch durchaus reizvoll. Um zu unterstreichen, dass es sich bei der vorliegenden CD um Country handelt, wurde nicht auf den Einsatz von viel Steelguitar verzichtet.

Die Songs haben teilweise schöne Arrangements und klingen nicht wie die vielen 08/15 Nummern aus Deutschland, leider trifft das nicht für alle Songs der CD zu, denn einige Songs sind mir persönlich einfach zu simpel aufgebaut.

I've Got The Hobo Blues ist der Versuch an gleich zwei alte Country Traditionen anzuknüpfen. Zum einen an die zahlreichen Eisenbahnlieder und den dazugehörigen Tramps, die sich als blinde Passagiere von Ort zu Ort fahren lassen, zum anderen wurde musikalisch versucht ein wenig nach Apalachen-Hausmusik zu klingen. Es ist auch fast gelungen. I Want To Rock, I Want To Roll ist ein bisschen flotter und wird von E-Gitarren dominiert. Red Hot Sun geht ein wenig in Richtung New Country. Für mich klingt diese Mischung zu unentschlossen. Twango fehlt die überzeugende Art, alles gleichermaßen Glaubhaft zu interpretieren. Und insgesamt ist mir die Produktion zu "deutsch". Bei amerikanischen Produktionen werden die Instrumente im Studio anders abgemischt, was gerade bei Country Musik einen entscheidenden Ausschlag für den, von Country Fans so geliebten, Klangteppich gibt.

Nun klingt das alles so, als würde ich die CD gar nicht mögen, das stimmt aber nicht, ich finde durchaus, dass mit dieser Form von Country Musik die ein oder andere Lücke im Plattenschrank geschlossen werden kann. Und Songs, wie das ruhige Someone Loves Me, sind wirklich schön und es ist schön, dass es jemanden gibt, der sich in Deutschland die Mühe macht und solche Songs schreibt und dann wirklich als Country umsetzt. Denn nicht zu verachten ist die Tatsache, dass Twango zu neun der vierzehn Songs auf der CD die Musik geschrieben hat. Darüber hinaus glaube ich , wir werden in Zukunft noch viel von diesem jungen Mann hören, denn potential ist offenbar vorhanden , die Zusammenarbeit mit Ron Davis kann dabei nur von Vorteil sein.

Thomas Fürst

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