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INTERVIEWS

[Inhalt Interviews]

Interview mit Jenny Greißner

(aus Music-Eagle Januar/März 2002)

ME: Du kommst ja nun, wie wir alle wissen nicht aus Hamburg
JG: Das ist richtig ich bin ein absoluter "Quietsche"

ME: Wo kommst du denn her?
JG: Das ist eigentlich eine lange Geschichte. Ich bin eigentlich in Thüringen geboren. Bin dann verschleppt worden, das heißt meine Eltern sind umgezogen, als ich etwa 3Jahre alt war. Wir zogen in das jetzige Bundesland Brandenburg zwischen Berlin und Dresden. Wir wohnten in der Nähe der Sängerstadt Finsterwalde, dort habe ich meine prägenden Jahre verbracht.

ME: Wie ist es dort dann weiter gegangen, mit Schule und Ausbildung?
JG: Ich habe dort meine Schule absolviert bis zum Realschulabschluß. Um so ein bißchen auf die Musik einzugehen. Eigentlich war es schon als kleines Mädchen mein Traum Ballettänzerin zu werden. Wir wohnten auf dem Dorf. Zu dieser Zeit war es ja noch nicht so riesig mit den Möglichkeiten auf den Dörfern. Es gab dann mal eine Annonce in der Zeitung, das Kinder für den Ballettuntericht gesucht werden, allerdings war ich damals noch zu jung und zu klein zu untermassig . So das es eigentlich immer nur ein Traum blieb. Ich habe schon immer leidenschaftlich gern gesungen. Wir hatten dort einen großen Hof, d.h. die Mutter meines Vaters hatte ein ziemlich großes Grundstück, da hatte ich dann die Möglichkeit immer so zu trällern. Ich bin dann irgendwann in den  Spielmannszug der Feuerwehr dieses Ortes gekommen und habe dort Querflöte gespielt, da ist dann so der Ursprung entstanden. Wir sind da von irgendeiner Tour zurückgekommen. Im Bus wurde dann immer gesungen. Die neusten Schlager und so. Das war so schrecklich falsch, daß ich rief: "Nein, nein so geht das nicht". Ich habe es dann allen vorgesungen und alle sagten dann - Mensch du kannst ja gut singen. Du mußt jetzt Gitarre spielen lernen. Das habe ich dann auch prompt gemacht. Dann bin ich zu einem Bekannten gegangen, der hat mir dann so ein paar Griffe gezeigt. Die ersten Dinge halt. Das habe ich dann zu Hause geübt und es tut ja am Anfang unheimlich weh in den Fingern. Dann hat er mir auch die ersten Lieder drauf gedrückt. Bis er sagte, so nun kannst du mehr als ich, nun mußt du selber sehen wie du weiterkommst. Das waren eigentlich so die Anfänge. Ich hatte also schon als junger Mensch eine Faszination gehabt. Sei es das Tanzen oder überhaupt die Musik. Es war immer eine Faszination. Für mich ist das die Sache, man kann da alle Gefühle rauslassen. Musik ist eine Art Gefühle jeglicher Art auszudrücken. Das hat sich ja da schon in unbewußter Weise bei mir eingeprägt. Das war es eigentlich. Es war halt so das ich ein wenig Gitarre spielen konnte und im Schulchor war. Ich habe dann eine "Singegruppe" gegründet, wie man das damals so nannte mit allem was damals in war. Allerdings haben wir da sicher auch ein paar FDJ Lieder gesungen. Aber auch ein paar Sachen in Richtung Liedermacher. Reinhard May und solche Geschichten haben wir schon mit eingebaut. Was eigentlich auch immer ganz nett kam. So das ich eigentlich, zwar recht laienhaft, schon einen gewissen Status hatte. Dann gab es diese Festivals für junge Talente, die durch die Schule ja auch immer gefördert wurden. Wo ich dann auch an einem Schulwettbewerb delegiert wurde, zum Kreiswettbewerb und dann zum Bezirkswettbewerb. Ich wurde delegiert zu den Weltfestspielen als junges Talent. Bin dort aufgetreten und habe dort Dean Reed kennengelernt. Das war ein ziemlich einschneidendes Erlebnis für mich vor ihm auf der Bühne zu stehen - ganz alleine vor Tausenden von Menschen. Ich habe übrigens auch einen Song von ihm gesungen, den er komponiert hatte. (Anmerkung der Redaktion: Dean Reed war ein Amerikaner, der in die DDR ausgewandert war und dort als Countrysänger und Schauspieler sehr erfolgreich war.) Das waren so die Anfänge. Später dann, so in der 9 Klasse etwa, da habe ich mich noch an Tanzmusik, Schlager und Pop orientiert. Ich habe Texte gesammelt ohne Ende und habe ganze Bücher damit vollgeschrieben. Dieser Spielmannszug der Feuerwehr in dem ich spielte, hat einmal im Jahr einen Ball veranstaltet zum Jahresabschluß, da durften wir dann als jüngste Teilnehmer abends mit zum Essen. Um 10Uhr mußten wir dann nach Hause. Dort spielte dann auch eine Lifeband. Irgend jemand hatte da geplauscht und denen gesagt, die müßt ihr mal auf die Bühne holen. Die singt nicht schlecht. Das hat die Band dann auch tatsächlich gemacht. Das war in den 70gern - Ende der 70Jahre.  Es war so eine Tanzkapelle die, die Charts rauf und runter spielten, gesetzte Herren, das war ja so üblich auf dem Dorf im Tanzsaal. Die fragten dann willst du nicht mal mitsingen. Die haben dann gefragt was kann man denn mal so machen, auch von der Tonart her. Ja, dann habe ich mich dort hingestellt, damals mit 13Jahren. Das war witzig. Die haben dann auch gesagt, versuch da mal weiterzumachen, du bist nicht schlecht. Irgendwann lernte ich auch eine Band kennen, die auch Tanzmusik machten, bei denen ich dann im gewissen Sinne meinen "Einstieg" hatte - in Anführungsstrichen. Mit denen habe ich dann ein paar Jahre gearbeitet, also bis Ende der 10Klasse. Dann habe auch noch während der Berufsschulzeit gesungen. Das war eine harte Zeit. Ich bin dann immer Montagmorgens absolut müde in die Berufsschule gekommen. Aber wie gesagt das waren dann meine ersten Erfahrungen mit einer Band.

ME: Welchen Beruf hast du erlernt?
JG: Ich habe gelernt, damals hieß es Facharbeiter für Schreibtechnik. Im Übertragenem Sinne der Beruf einer  Sekretärin sprich Buchhaltung, Stenographie, alles was dazu gehört. Theoretisch und auch praktisch in verschiedenen Abteilungen. Das habe ich gelernt. War nun gar nicht mit Traumjob. Ich bin da in einem Betrieb gelandet, wo es so absolut dröge zuging. Die Musik war eigentlich so der Aufhänger. Das hielt mich dann irgendwo hoch. Ich habe mir dann auch gesagt, wenn du hier bleibst bist zu mit 40 wirklich wie 80. Wie gesagt, die Musik war eigentlich immer so ein bißchen mein Traum. Ich habe dann die nächste Band kennengelernt. Das war dann ein Tanzorchester. Das dann vom Niveau auch schon sehr gehoben war und auch in verschieden Besetzungen gespielt haben. Mindestbesetzung waren 3 Saxophone, 2 Trompeten, und noch eine Rhythmus Gruppe sprich Schlagzeug und Baß und Gitarre und Gesang.  Es war dann auch schon so, daß man als Sänger da vorne stand, so showmäßig. Das war das Tanz und Showorchester "Dixies". Wir hatten damals dann auch einen ziemlich guten Status in der Amateurscene. Damals Sonderklasse. Es war damals in der DDR so, das man immer einen Nachweis haben mußte um öffentlich auftreten zu dürfen. Gerade als Amateur. Man mußte alle 2Jahre antreten zur sogenannten Abnahme vor einer Jury, die sich das angehört haben und dann entschieden haben in welcher Kategorie die Band eingestuft wurde. Die haben dann entschieden was eine Band für einen Auftritt nehmen durfte. Die ersten Abende waren dann meist Tanzabende. Man kam dann abends gegen neunzehn Uhr in den Saal, die Anlage war schon aufgebaut. Das war dann nicht mehr so ein Aufwand. Da war der Saal aber schon voller Leute. Das ging dann so bis zwei oder drei Uhr durch. Dann so 2-3 Stunden schlafen und dann zur Arbeit. Das war ein paar Jahre lang schon manchmal extrem hart, aber es hat mir Spaß gemacht. Das war so richtig mein Ding. Dann kam mein Sohn. Da habe ich dann erst einmal aufgehört. Ich hatte mal als relativ junges Mädel geschworen, wenn ich mal ein Kind bekomme, bin ich für das Kind da. Das habe ich dann auch gemacht. Ich habe die Musik an den Nagel gehängt. Ich habe mich dann in erster Linie um meinen Sohn, um Manuel gekümmert. Angefangen habe ich eigentlich erst wieder als er so 4-5Jahre alt war. Zuerst aber ganz vorsichtig. Ich habe dann meinen Berufsausweis als Musikerin gemacht und habe die Musikschule am Konservatorium in Cottbus absolviert. Dort habe ich meine Vorarbeit gemacht. Ich fing an solistisch aufzutreten, das heißt ich fing an bei Bands aufzutreten mit Noten und habe die Arrangements mitgebracht. Ich durfte im Programm so 3, 4 Stücke singen und dann wieder abtreten und das war's dann. Für mich war das nicht ausreichend, ich wollte mit einer Band denn ganzen Abend mukken, Farbe zeigen, das war eigentlich das, was ich wollte. Das war der  Wiedereinstieg. Zu der Zeit lernte  ich eine Band kennen, deren Bandleader ich von der Musikschule her kannte. Wir gaben uns eigentlich beim Gesangsunterricht ganz oft die Klinke in die Hand. Entweder kam er und ich ging oder umgekehrt. Irgendwann sprach er mich an. Er fragte mich ob ich nicht Lust hätte Country Musik zu machen. Das war so circa 1985.

ME: Also, noch zu DDR Zeiten.
JG: Ja noch zu DDR Zeiten. Ich sagte, nun ja ich höre mir das mal an. Habe mir das dann auch angehört. Sie hatten zu der Zeit eine Sängerin und haben zu dritt gespielt als Trio.

ME: Hattest Du vorher schon irgend einen Bezug zur Country Musik?
JG: Bezug schon. Nur die Möglichkeiten fehlten. Ich hatte ja damals, als ich alleine mit der Gitarre anfing auch so in diese Richtung was gemacht. Es gefiel mir. Das war eben auch das was man mit der Gitarre machen kann. Ich habe mir die Truppe dann angehört und dachte nur: Das ist es! Das ging dann auch ganz schnell. Er sagte, wenn du Lust hast kannst du sofort einsteigen. Die Sängerin hatte wohl keine Lust mehr. Das konnte ich irgendwie nicht verstehen. Dann habe ich mir innerhalb von 4Wochen das ganze Repertoire drauf gedrückt. Auch alle Texte im Kopf. Und ich habe gemerkt, das ist es einfach, das ist genau das was Du machen willst. Ja, dann habe ich mit der Band gearbeitet. Wir waren einige Jahre zusammen.

ME: Wie hieß die Band?
JG: Ecke  & Co.

ME: Das war ja schon ein recht bekannter Name in der DDR.
JG: Ja. Wir fingen an, in der Besetzung mit Ecke und Bernhard Klare, wir hatten uns schon einen ganz guten Ruf geschaffen. Dann ging Bernhard Klare auch aus der Band, aus unterschiedlichen Gründen und der Jürgen Hartmann kam dazu. Jürgen war ein Typ der auch irre Musikerfahrung hatte. Er war übrigens in der Band mit der ich meine Vorarbeit gemacht habe, für den Berufsausweis. Jürgen Hartmann hatte auch eine bombastische Stimme. Das war eigentlich eine Super Konstellation. Wir haben zwar mit Rhythmuscomputer gearbeitet, aber das eigentlich auch das einzigste was wirklich aus der Konserve kam. Alles andere haben wir Live gespielt. Ecke hat Baßgitarre gespielt, ich habe Rhythmusgitarre gespielt und Jürgen hat Leadgitarre gespielt. Jürgen hatte auch so seinen ganz eigenen Stil. Er hat nicht so ganz normal E-Gitarre gespielt, sondern hat sie auf Akkord gestimmt. Wir haben da auch mit dreistimmigem Satzgesang gearbeitet. Wir haben uns da wohl einen ganz guten Namen erarbeitet. Das ging dann bis zu Fernsehauftritten, in Schlagersendungen wie "Gong". Das war dann wohl doch schon ganz gut.

ME: Hattet ihr da den nur Cover Songs oder auch eigene?
JG: Wir haben auch eigene Songs gemacht. Jürgen hatte eigene Songs geschrieben. Dann hat der, ich weiß den Namen nicht mehr, den Text geschrieben und Ecke die Musik. Wir waren also mit eigenen Songs in den Medien, so wie zum Beispiel "die Malerin"

ME: Also, nur deutschsprachige Lieder?
JG: Ja, deutschsprachige Lieder. Wir wurden dann eben auch vom Rundfunk aufgefordert Aufnahmen zu machen. Das war eine tolle Zeit, die möchte ich nicht missen. Auch mit dem Publikum. Wir haben vor allen möglichen Leuten gespielt z.b. in Jugendclubs, in Ferienheimen, im Sommer auch die Ostseekonzerte, im Winter in den Bergen, in Thüringen. Es war eine schöne Zeit, auch von der kollegialen Seite her. Dann kam halt die Wende. Und der Big Boß Ecke und seine Frau sind dann so ein wenig abgedrifftet, menschlich, es gab da so ein paar Sachen über die ich aber nicht Reden möchte. Da hat sich die Band halt aufgelöst. Da stand dann eigentlich für mich auch schon fest, das ich die Biege mache, da es für mich auch politische Gründe gab. Es gab da wirklich echt Gründe und das, obwohl ich als junger Mensch auch in die Partei eingetreten bin. Dann habe ich aber auch den Mumm gehabt auszutreten. Viele haben mich auch darum bewundert.

ME: Bist du den auch selber eingetreten, oder "eingetreten worden"?
JG: Im gewissen Sinne eingetreten worden. Das ist so gang und gebe gewesen. Es gab dann so Situationen. Ich habe mein Sohn alleine großgezogen. Das stieß auf Unverständnis, daß ich dann nicht zur Versammlung kommen kann. Ich habe dann gefragt, haben sie mal was von Erziehungspflicht gehört. Und irgend solche Dinge, alles Schikanen. Auch im Hinblick auf die Musik die ich dann vertreten habe, gab es dann so ein paar Dinge. Ich konnte mich damit nicht mehr identifizieren. Man hatte dann halt auch versucht, mich unter Druck zu setzen. Mit Drohungen wie, das hat Konsequenzen und so. Ich sagte: Bitte schön, sie können mir gar nichts. Ich war da auch hart. Da kam dann auch nichts. Im Westen ging es erst nach Hessen und 1991 kam ich nach Hamburg. Hier habe ich erst mal lange Zeit, musikalisch gar nichts gemacht. Bis ich dann 96/97 hier wieder in Countryszene reinwuchs. Aber es ist tatsächlich so, wenn man nicht in der Countryszene drin ist kennt man sie auch nicht. Wenn man niemanden kennt dann findet man die Szene auch nicht . So war es dann halt auch. Und wie gesagt ich hatte mich dann auch konzentriert auf Manuel. 1996/97, die Jahreszahl kann ich nicht so genau festlegen. Da wuchs man dann wieder so rein.

ME: Bist du da auch gleich auf den Line-Dance gestoßen.
JG: Ich war in Hüttblek und sah es dort zum ersten mal. Ich dachte nur - das ist es - das ist Cool! Da kann ich Tanzen. Ich habe gefragt, wo kann man das lernen. So wie jeder das macht, der Gefallen dran findet. So bin ich dann damals bei Conny gelandet. Ich habe dann angefangen Line-Dance zu lernen und so wuchs ich wieder in die Szene rein. Und irgend jemand bekam dann spitz bzw. ich konnte es ja auch nicht lassen, dann und wann mal eine Gitarre in die Hand zu nehmen und ein paar Lieder zu singen, so das es dann etwas bekannter wurde, daß ich auch singe. Der eigentliche Knackpunkt über denn ich eigentlich wieder hier in die Musikszene rein gekommen bin, war Ramelsloh. Am 08.Juni 1998 muß das gewesen sein. Ich habe es gewagt in Ramelsloh auf die Bühne zu gehen und der Conny zum Geburtstag zu gratulieren und zu sagen ich singe jetzt ein Lied. Dann kam der Axel von der Bürste bei mir an und sagte, du spielst bei mir. Er hat zu der Zeit einmal im Monat, Donnerstags, Live unplugged Musik veranstaltet. Just for Fun wie man so sagte. Da spielst du dann mit. Ich sagte, dafür habe ich gar nicht das Repertoire. Dann kam in Barum ein  Frühschoppen mit Montana und die fragen: "Willste nicht mal ein Lied mitsingen". Der Peter Bars wollte mich dann gleich engagieren. Ich sagte es tut mir leid ich habe doch gar kein Repertoire für ein paar Stunden. Axel sagte, ach du machst das schon. Dann und dann spielst du bei mir, im November . Ich dachte bei mir, Juni bis November, da hast du doch genug Zeit zum üben, und habe bei Axel eingeschlagen. Aber ich hatte wirklich keine Lust alleine zu spielen, weil ich muß ganz ehrlich gestehen, ich bin kein Instrumentalist. Ich spiele Rhythmusgitarre. Das denke ich ist ganz in Ordnung, das wurde mir zu mindest so bestätigt. Aber wie gesagt, nur mit einer Stimme und der Rhythmusgitarre kann man keinen ganzen Abend bestreiten. Also fragte ich Tommy, denn ich ja mittlerweile auch kennengelernt hatte. Haste nicht Lust so ein bißchen Mucke unplugged zu machen. Tommy war dafür. Zu der Zeit war Manuel auch schon so weit, das er seine ersten Baß - Unterrichtsstunden hinter sich hatte. Und immer mal ankam, Mama ich möchte mit dir mal zusammen ein paar Stück spielen. Wir trafen uns dann in der Probe und siehe da, da waren schon etliche Stücke ganz ordentlich. Tommy sang auch ein paar Stücke. So das es für mich schon ´ne Sache war, wo man sagt, damit kann man vor die Leute gehen. Weil ich habe eigentlich schon immer die Einstellung gehabt, wenn ich mich vor die Leute stelle, muß es schon ganz ordentlich sein.  Und so wuchs die ganze Sache. Olli, der Schlagzeuger von "Pay Line Seven" rief an und sagte: "Ich habe gehört du spielst in der Bürste, kann ich da nicht Percussions oder so machen"? Ich sagte, ja kannst du machen. So rückten wir am 12.November 1998 mit einer kompletten Band in der Bürste an. Axel guckte nicht schlecht. Mit einer Minianlage, die dann auch noch halb streikte, aber die Hütte war voll. Auf einem Donnerstagabend, ca. 100 Leute. Wir haben bis gegen 24Uhr gespielt. Der Knaller war, wir bekamen den Abend noch zwei weitere Engagements. Das war eigentlich ja gar nicht vorgesehen.

ME: dann ist die Band eigentlich aus Zufall entstanden?
JG: Ja. Das war eigentlich gar nicht vorgesehen. Das war eigentlich nur für den Abend, weil ich gesagt hatte ich spiele bei dir, Axel. So ist das entstanden. Peter aus Bisspingen hatte uns dann gleich für einen Anschlußgig engagiert und Peter Bars für Barum. Dafür sollte Werbung gemacht werden, also mußte ein Name her. In der Bürste hieß es Jenny spielt. Aber wer spielt den noch? Da spielen halt noch ein paar Freunde. Und so ist dann halt der Name entstanden. Die Jungs haben dann alle gesagt, mach doch Jenny & Friends, ist doch gut. So sind wir entstanden. Jetzt gibt es uns mittlerweile auch schon 3Jahre. Es gab ein paar personele Veränderungen. Der Olli hat ja aufgehört, aus Privaten Gründen, so mit Freundin und Job. Er ist aber auch jetzt noch jederzeit bereit, einzuspringen.  Dafür kam dann Willie als Schlagzeuger. Er hatte vorher schon manchmal ausgeholfen, wenn Olli nicht konnte. Das ist für mich das Menschliche und schöne in der Band, halt ein gutes Klima. Für mich ist das auch ganz wichtig. Ich kann da vorne nicht stehen und singen, wenn da hinter mir eine Truppe steht die sagt "ist mir alles egal". Das geht nach hinten los. So ist das ganze gewachsen und

Jenny mit Susu Belle von den “Texas Lightning & the Rodeo Rockets”

entstanden. Da bin ich absolut glücklich und zufrieden drüber. Das macht ein riesen Spaß. Als letzter Neuzugang kam dann im letzten Jahr noch Roman an der Gitarre und am Gesang dazu.

ME: Wie sehen denn deine Pläne für die Zukunft aus, mit der Band?
JG: Auf jeden Fall mit Band. Also, für mich ist es ganz wichtig mit einer Band zu arbeiten. Also, zunächst orientiere ich mich mal mit Band, weil irgendwie sind wir eine Einheit. Der eine bringt die Stärke der andere die Stärke. Pläne sind, da haben wir uns zumindest angemeldet, die Country Musik Messe. Da werden wir uns dann mal präsentieren. Wir planen auch ein oder zwei eigene Songs zu machen. Das ist in Arbeit. Mal schauen was daraus wird. Alles weitere ist in Planung. Wir liebäugeln auch schon mit der nächsten CD. Das sind so die nächsten Zukunftspläne. Wir haben keine, wer weiß wie euphorischen Pläne. Wir haben alle unseren Beruf, sind da ja auch voll eingespannt und sind ja auch nicht mehr ganz neu. Außer Manuel aber der ist ja auch durch seinen Beruf, durch seine Lehre ziemlich eingespannt. Also, wir werden es machen so lange wir Spaß haben an der Musik uns entwickeln uns weiter. Ich denke das ist eine gute Sache.

ME: Du hast erzählt du spielst Gitarre, spielt du auch andere Instrument in irgend einer Form?
JG: Also, damals in den Bands, da hat man mal Schlagzeug gespielt, so ein Stück. So ganz  spontan. Ich habe auch mal auf dem Baß ein ganz einfaches Lied gespielt. Aber so richtig gelernt sind diese Dinge nicht.

ME: Was für dich, bis jetzt, so musikalisch der Höhepunkt?
JG: Das gibt es so einige Dinge, die für mich so sehr Beeindruckend waren. Eigentlich, damals mit den Dixies, wir haben da auf den Arbeiterfestspielen im Dresdner Zwinger gespielt.  Das wird sicher für jeden ein Begriff sein. Das war für mich als junger Mensch unglaublich beeindruckend. Der Innenhof des Zwingers total eingedeckt mit festlichen Tafeln, dann mit der Band mit Aufstockung, mit  4 Saxophonen und 3 Trompeten, das hatte dann schon Big-Band Charakter. Das war für mich schon echt beeindruckend. Ein echtes Highlight. Dann gab es da auch noch ein paar Sachen mit Ecke & Co., so wie die Fernsehgeschichten. Das waren Teils Teils auch Highlights, vom Erfolg her. Von der Sache her, wie da geschummelt wird, nicht so. Also, wir haben ja praktisch alles vorher eingespielt, alles aufgenommen. Es gab sogar den Punkt, wo ich mal krank war dann ein Attest vom Arzt hatte und später grünes Licht bekam um dazu zu kommen. Höhepunkte weiter... (Denkpause) eigentlich auch die Aufnahme unserer CD mit Jenny & Friends. Das war für mich auch eine enorme Erfahrung. Wir haben es ganz locker angepackt und haben die CD live eingespielt. Es hat einen riesen Spaß gemacht. Man hat auch gemerkt wir waren gut vorbereitet. Im nachhinein, wenn ich die CD höre, denke ich für dieses oder jenes hätte ich mir da mehr Zeit genommen. Das sind dann halt alles Erfahrungswerte. Aber ich denke für die erste CD sind wir damit doch ganz zufrieden. Das ist  ein Highlight. Dann viele Auftritte. Die ich gar nicht alle benennen kann, also es gibt so viele Szenen und Gesten die uns die Leute entgegen bringen, das ist immer ein Highlight. Wir haben mittlerweile ein Traumfankreis, dem ich eigentlich immer versuche danke zu sagen. Das darf man nicht vergessen , den ohne diese Leute können wir das ganze knicken. Das ist für mich eigentlich das größte.

ME: Was bevorzugst du Privat, die moderne oder die traditionelle Country Musik? In der Band spielt ihr ja so wohl als auch.
JG: Wir spielen eigentlich alles. Also, ich muß sagen, ich bin nicht absolut rockig. New schon aber nicht zu rockig. Es gibt mittlerweile auch Stücke die ich auch singe, wo ich noch vor ein paar Jahren gesagt hätte, ach weiß ich nicht. Die mir auch jetzt richtig Spaß machen, aber eigentlich bevorzuge ich doch mehr die Richtung traditionell. Also, für mich muß Country nach Country klingen.

ME: Vielleicht könntest du noch so eins, zwei Lieblingsinterpreten nennen.
JG: Ja, für mich ist Emmylou Harris die Größte. Aus den jüngeren Sparten ist es für mich Lee Ann Womack. Von den Männern bin ich absoluter George Strait und Vince Gill Vertreter. Es gibt natürlich viele, viele andere, es ist mittlerweile so breit gefächert.

ME: Man entdeckt ja auch immer wieder neues. Shelly Wright zum Beispiel. Die ist auch ganz toll. Man hat halt so seine Favoriten. Und nach wie vor ist für mich Emmylou die größte. Viele Sachen von ihr liegen mir einfach ungeheuer.

ME: Bleibt denn da noch Zeit für andere Hobbys außerhalb der Musik?
JG. Ich verbinde eigentlich alles mit der Musik. Wie gesagt, du weißt, daß ich auch Line-Dance mache und mittlerweile auch wieder Line-Dance unterrichte, weil ganz viele Leute dastanden, die es lernen wollten und es gar keine Kurse mehr gab. Man hat mich dann bekniet. Dann habe ich mich halt breitschlagen lassen, das zu machen. Aber für viel mehr, bleibt gar keine Zeit. Man hat noch den Haushalt und arbeiten gehe ich ja auch noch. Was ich eigentlich noch liebe, ist in meiner Freizeit in der Natur zu sein. Draußen zu sein und die Freiheit zu spüren. Das ist für mich das Größte. Also, im Sommerurlaub nach Bayern und dann durch die Gegend pirschen. Schönes Wetter, draußen sein in der Natur, da bin ich glücklich. Mehr brauch ich nicht.

ME: Es gibt da eine Single von Amiga (DDR Schallplattenlabel), mit diversen Leuten, wo du auch dabei bist. Die ist von 1984, vielleicht kannst du dazu noch ein paar Sachen erzählen.
JG: 1984?

Jenny mit Kuddel von “Country Kanjax”

ME: Die Platte heißt "Alt wie die Welt"
JG: Ahhhhhhhh, jetzt weiß ich. Das ist ja interessant. Ja, stimmt 84 war das. Das gab in der DDR eine, ich will es mal in Anführungszeichen nennen "Institution", das ist eigentlich nicht das richtige Wort - eine Interessengemeinschaft ist vielleicht richtiger, von Künstlern die sich in Gewissen Abständen in Berlin getroffen haben, um Erfahrungen auszutauschen und ähnliches. Je näher wir an die Wende kam um so härter wurden da auch die Diskussionen. Es gab da Bands die Bandverbot bekommen hatten, für die man dann eben auch solidarisiert hat. Es wurde ein Titel Komponiert der hieß "Alt wie die Welt" und es wurden Interpreten aufgerufen an dieser Präsentation teilzunehmen, diesen Song aufzunehmen, mit Fernsehen und diesen Song zu produzieren und da habe ich mich einfach mit gemeldet und habe gesagt, natürlich mache ich das. Das war halt eine Demonstration für das Miteinander. Musiker ohne Konkurrenz denken stellen sich hin und singen Miteinander. Das war 84, da sind wir nach Leipzig gefahren und haben das aufgenommen.

ME: Ist daraus dann noch irgendeine Resonanz daraus entstanden?
JG: Nö. Eigentlich nur so weit, das der Titel auf Platte gepreßt wurde und auch verkauft wurde. Es gab dann auch eine Fernsehzeitung in der DDR, die das aufgegriffen hat. Das war damals  FF-Dabei, so viele gab es da ja in der DDR nicht. Es war ein riesen Foto und ein Bericht dazu drin, aber das lief dann so. Es war dann nur mal so eine Präsentation. Es waren ja auch viele namhafte Künstler dabei wie z.b. Frank Schöbel, der ja auch sicher bekannt ist.

ME: Der hat das ja auch glaube ich mit geschrieben.
JG: Der hat das mit geschrieben. Und auch inszeniert.

ME: Gibt es sonst noch irgendwelche Tonträger auf denen du in irgendeiner Form verewigt bist?
JG. Es gibt einen Tonträger. Wir haben ja Titel Produziert. Ich bin da auch noch nicht ganz auf dem Aktuellen Stand. Es gibt Sachen die mittlerweile archiviert sind. Der Jürgen Hartmann war dabei, als wir uns das letzte mal sahen, das alles zu durchforsten. Weil er nun auch viele Titel davon geschrieben hat. Auf jeden Fall laufen so einige Sachen hin und wieder bei diesen "Loman" ist dir das ein Begriff? (Anm. d. Red. : "Loman" ist ein bekannter Radiomoderator in Ostdeutschland)

ME: Ja, das ist mir ein Begriff. Es gab dann bei Ecke & Co. Mal eine offizielle CD?
JG: Ja, vom Ecke, aus der Zeit, bevor ich und der Jürgen dazu kamen , hatte er viel mit anderen Musikern gemacht. Auch hinterher. Von dieser ganzen Geschichte, zum 10jährigen Bandjubiläum von Ecke & Co. Eigentlich war es auch der ziemliche Höhepunkt der Band. Wie gesagt, zu diesem 10jährigen Jubiläum hat er eine CD produziert. Bzw. produzieren lassen. Wir hatten Livemitschnitte von Konzerten machen lassen. Die Live-Show Mitschnitte von uns wurden im Studio noch mal aufgepeppt. Die wurde dann auf CD gepreßt und als wir das hörten war das eine Überraschung. Die habe ich auch auf diversen Country Festivals an Ständen gesehen.

ME: Das ist dann wohl das Werk, was in Zukunft alle Hamburger Country Fans suchen werden.
JG: Viel Spaß beim suchen.

ME: Vielen Dank, das du dir die Zeit für dieses ausführliche Interview genommen hast.
JG: Gern geschehen.

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