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Es gibt Künstler, die haben die Country Musik mehr geprägt, als die meisten anderen ihrer Kollegen. Waylon Jennings ist
sicher einer von diesen Ausnahme Interpreten.
Als Waylon am 15. Juni 1937 in Littlefield/ Texas zur Welt kam,
hat wohl noch keiner geahnt, wie berühmt der kleine Bursche mal werden soll. Das Littlefield Waylons Geburtsort ist, wurde
später oft vergessen und viele Leute dachten lange, er würde ein Sohn der Stadt Lubbock sein. Doch dazu später mehr.
Im zarten Alter von 8 Jahren begann der kleine Waylon Gitarre zu spielen. Die ersten Griffe auf den Saiten bekam er damals
von seiner Mutter gezeigt. Mit 12 Jahren hat er schon im örtlichen Radiosender als DJ gearbeitet, andere Jungs in dem
Alter trugen damals Zeitungen aus. Schon kurze Zeit später spielte er in seiner ersten Band Lieder von Hank Williams und
Ernest Tubb nach. Schon mit 14 hatte er die Schule verlassen und verdiente sein Geld bis er 16 Jahre alt war hauptsächlich als
Weißer unter Schwarzen beim Baumwollepflücken.
1954 zog er dann nach Lubbock / Texas um. Dort arbeitete er bei dem Radiosender KILL. Zu dieser
Zeit lebte in Lubbock ein junger Mann, der nur unwesentlich älter als Waylon selbst war. Dieser junge Mann sollte die musikalische Landschaft für immer verändern und auch
Waylon stark beeinflussen.. Der junge Mann spielte für damalige Verhältnisse einen ungewöhnlichen Stil auf der Gitarre und war der erste Musiker der bei
Plattenaufnahmen das sogenannte Overdubbing benutzte. Heute Standard, damals noch völlig neu. Der junge Mann hatte dazu allerdings nicht die technischen
Möglichkeiten, die heute in Studios zur Verfügung stehen, sondern nahm seinen Gesang
auf, legte dann in einen metallenen Kornspeicher einen Lautsprecher und ein Mikrophon. Die zuerst
gemachte Aufnahme wurde abgespielt und dazu synchron neu eingesungen. Das war das erste
Overdubbing. Der junge Mann mit den ungewöhnlichen Ideen und dem unverkennbaren Gitarrenspiel war niemand anderes, als BUDDY HOLLY.
Als Buddy Holly immer erfolgreicher wurde, kam
es zum Streit mit den Musikern, die nicht bereit waren Buddys Weg zu gehen. Zu dieser Zeit - 1958 - ersetzte Waylon Jennings dann den
Bassisten bei den CRICKETS von Buddy Holly. Und spielte fortan mit Buddy. Die Ur-Formation der Crickets waren alles Jugendfreunde von
Buddy aus Lubbock, daher dachten viele, auch Waylon Jennings sei dort geboren.
Buddy Holly produzierte 1958 dann auch Waylons erste Single JOLÉ BLON. Doch die Zeit
an der Seite von Buddy Holly sollte nur kurz währen. Am 3. Februar 1959 kamen bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Clear Lake in
Iowa Buddy Holly, RITCHIE VALANS (Donna / La Bamba) und J.P RICHARDSON "THE BIG BOPPER" (Chantilly Lace) ums Leben. Der
Flugzeugabsturz geschah während einer Tournee durch Staaten des mittleren Westen, die am 23. Januar 1959 begonnen hatte und an der Buddy Holly
hauptsächlich aus finanziellen Gründen teilnahm. Neben Holly, Valans und dem Big Bopper waren
noch Dion & The Belmonds und Franky Sardow an dieser Winterdanceparty beteiligt. Die Reise mit
einem Bus von Ort zu Ort war in der winterlichen Kälte eine Strapaze, deshalb hatte Holly am 2.
Februar in Clear Lake die Idee, für die Reise zum nächsten Ort ein kleines Flugzeug zu chartern, für
sich und zwei seiner Musiker, Tommy Alsup und Waylon Jennings. Als Ritchie Valans und The Big
Bopper davon hörten baten sie Alsup und Jennings doch ihnen die Plätze zu überlassen. Und so
tauschte Waylon Jennings mit dem Big Bopper und Tommy Alsup ließ eine Münze entscheiden.
Ritchie Valans gewann. Kurz nach dem Start stürzte das kleine Flugzeug gegen ein Uhr nachts in
einem Schneesturm ab. Holly war 22, Valans 17 und der Big Bopper 26 Jahre alt.
Geschockt von Hollys Tod ging Waylon
zurück nach Lubbock und dachte über seine Zukunft nach. 1960 ging er dann Phoenix. Dort gründete er seine eigene Band, The Waylors. Die Band spielte
regelmäßig in einem Club namens JD's. In geringer Auflage erschien damals eine LP mit dem Titel WAYLON JENNINGS AT JD's (Vocalion 73873 +
Sounds Ltd. 100L), dabei handelt es sich aber nicht um eine Live Platte. Echte Live Aufnahmen aus JD's sind auf der CD WAYLON JENNINGS THE
RESTLESS KID LIVE AT JD'S (Bear Family Records BCD 16385 AH). Außerdem erschien die Single MY
BABY WALKS ALL OVER ME (Trend-Records). Nach weiteren kleinen Singles wurde Waylon
Jennings dann 1965 durch die Hilfe von BOBBY BARE von CHET ATKINS für RCA unter Vertrag genommen.
Waylon zog nach Nashville um und lebte zunächst mit JOHNNY CASH zusammen. Im August 1965
hatte Jennings erstmals einen Song in den Country Charts; THAT'S THE CHANCE I'LL HAVE TO
TAKE. Bis zum Ende der 60er Jahre hatte Waylon noch keinen Nummer Eins Hit landen können, fand
sich aber häufiger in den Top Ten der Country Charts. Er war einer der erfolgreichsten Vertreter des
sogenannten FOLK COUNTRY. Songs wie THE CHOKIN' KIND und I GOT YOU (mit ANITA CARTER)
machten ihn berühmt. Ein Hit wurde auch der Song GREEN RIVER aus dem Film NASHVILLE
REBEL, in dem Waylon auch mitgespielt hat. Auf einigen der Aufnahmen spielte der heute berühmte Country-Comedian RAY STEVENS das Piano.
1968 hatte Waylon Jennings einen Hit mit ONLY
DADDY THAT'L WALK THE LINE, der Song gab schon mal die Richtung an, in die Waylon musikalisch einmal gehen würde. Doch zuvor erschien noch der
Titel MAC ARTHUR PARK, eine Aufnahme zusammen mit den den Kimberlys und dafür gab's den Grammy als "Best Country Performence Duo or Group".
Trotzdem war Waylon enttäuscht vom Nashville Buisness. Waylon begann seine Musik zu verändern. Einige Sänger fanden sich mit den Zwängen der
Platten Industrie nicht mehr zurecht. Unter Ihnen Waylon Jennings, WILLIE NELSON, TOMPALL GLASER und Waylons Ehefrau JESSI COLTER.
Diese vier Künstler gelten heute als die Begründer der Outlaw-Country-Musik. Auch diese Künstler wurden "rauer". Zusammen brachten sie das Album WANTED!
THE OUTLAWS auf den Markt. Der Sound war ein bisschen rockiger geworden, die Texte nicht mehr ganz so sauber, die Haare und Bärte wuchsen. So konnte
man auch ein junges Publikum zu Beginn der 70er Jahre erreichen. Der Lohn... WANTED! THE OUTLAWS war das erste Country Album, welches den
Platin Status erreichte. Fortan wurde Waylon und Willie nur noch als die Outlaws bezeichnet.
Waylon, der Outlaw, veröffentlichte unvergessene Hits, wie GOOD HEARTED WOMAN, THIS TIME, RAINY DAY WOMAN, ARE YOU READY FOR THE COUNTRY, AMANDA, CLYDE und ARE YOU
SURE HANK DONE IT THAT WAY. Zusammen mit Willie Nelson hatte er noch mal einen Hit mit
GOOD HEARTED WOMAN, welches als "gefakte" Liveaufnahme auf deren gemeinsamen Album
WAYLON & WILLIE zu hören war. Zusammen haben Willie und Waylon Musikgeschichte mit dem ED BRUCE Song MAMMAS DON'T LET YOUR BABIES GROW UP TO BE COWBOYS geschrieben
. Ebenfalls ein riesiger Hit LUCKENBACH / TEXAS. Diese Zeit hat die Country Musik total verändert.
Vieles, was heute selbstverständlich in unseren Ohren klingt, hat Waylon zusammen mit den
anderen Outlaws gegen die Plattenfirmen erst durchsetzten müssen. Die wurden natürlich schnell
kooperativer, als diese merkten, dass man so viel mehr Geld verdienen konnte. Doch ohne Zweifel ist
die Outlaw-Bewegung rund um Waylon Jennings eine der wichtigsten country-musikalischen
Ereignisse überhaupt. Mitte der 80er Jahre ebbte die Outlaw-Bewegung ab. Vom 01.101983 bis 12.10
.1983 war Waylon damals auf einer unvergessenen Deutschlandtournee, leider litt er zeitweise unter
einer Erkältung. Trotzdem ist das für viele bis heute das Country Ereignis in Deutschland schlechthin
geblieben. Sogar der MUSIKLADEN des NDR würdigte dieses Ereignis und Waylon spielte ein Live
-Konzert für's Fernsehen. Damals unter den Zuschauern auch Hermann Lammers-Meyer, dem die
Freude damals deutlich anzusehen war. Im deutschen Fernsehen war Waylon darüber hinaus als
Sänger der Titelmelodie von EIN DUKE KOMMT SELTEN ALLEIN (DUKES OF HAZZARD) über lange Zeit stets präsent.
Aber wie gesagt nach etwa 15 Jahren hatte die Outlaw
-Bewegung eigentlich ausgedient. Doch dies sollte nicht bedeuten, dass Waylon nun aus der Musik verschwand, nein
ganz im Gegenteil. 1986 gelang Waylon zusammen mit Willie erneut der ganz große Wurf. Diesmal zusammen mit zwei
weiteren Freunden. Kris Kristofferson, der zu jener Zeit mehr Aufsehen als Schauspieler erregte, als als Sänger und Johnny
Cash, der quasi ohne Plattenvertrag da stand. Zusammen veröffentlichten diese vier Superstars der Country Musik das
Album HIGHWAYMAN. Ein Aufschrei in der Country Szene auf der ganzen Welt, mit einem derartigem Comeback der "alten"
Herren hatte keiner gerechnet. Lediglich Willie Nelson war zu dieser Zeit noch wirklich fest im musikalischen Sattel. Es
folgten zwei Fortsetzungen HIGHWAYMAN 2 und THE ROAD GOES ON FOREVER. Und auch die Highwaymen sind in Europa auf Tournee gewesen, unter anderem auch in
Deutschland. Der Auftritt in Alsterdorfer Sporthalle / Hamburg dürfte ebenfalls vielen norddeutschen Country Fans unvergessen sein.
Außerdem hat Waylon Jennings unermüdlich tolle Solo-CD's veröffentlicht. Allen ist eines gemein, egal was Waylon auch
immer singt, irgendwie klingt das nach Country. Auch wenn Alben wie TOO DUMB FOR NEW YORK, TOO UGLY FOR L.A. sicher eine Menge Waylon-Fans enttäuscht haben dürften.
Im letzten Jahr wurde Waylon in die COUNTRY MUSIC HALL OF FAME aufgenommen.
Mit rund 100 Hits in den Country Charts, davon 16 auf Platz 1
gehörte Waylon zu den ganz, ganz großen der Country Musik. Am 13. Februar 2002 ist Waylon Jennings bei sich Zuhaus in
Arizona verstorben. Er soll friedlich eingeschlafen sein. Grund für den viel zu frühen Tot, war vermutlich eine schwere Diabeteserkrankung, bereits im Dezember
letzten Jahres hatte man Waylon den linken Fuß in einem Krankenhaus in Phoenix amputieren
müssen. Bis zu seinem Tod konnte Waylon noch nicht wieder richtig laufen, hatte aber trotzdem
immer wieder gesagt im März oder April wieder Konzerte zu geben. Waylons Körper war wohl nicht
stark genug, um gegen die Diabetes zu kämpfen, dies kann vielleicht daran liegen, dass Waylon nach
eigener Aussage 21 jahrelang Drogen genommen hat, teilweise Kokain für 1500 Dollar am Tag. Erst
zu Beginn der 90er Jahre soll Waylon erfolgreich von den Drogen weggekommen sein. Trotzdem wird
Waylon Jennings in seiner Musik immer weiter leben - some outlaws never die!
Thomas Fürst
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