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PORTRAITS

[Zum Inhalt Portraits]

Roy Acuff
Erinnerungen an eine Country-Music-Legende

(aus Music-Eagle Juli 1999)

Auch in den Anfängen der Country Music in den USA, gab es schon Stars, am bekanntesten in Deutschland ist sich Hank Williams sr., der der Welt einige Evergreens, wie Jambalaya geschenkt hat. In den USA ist die Liste der alten Stars natürlich größer, da dort diese Musik immer präsent war. Ein Mann der neben dem alten Hank große Anerkennung verdient hat ist Roy Acuff. Nicht nur als Musiker, sondern in vielen Bereichen, weshalb soll der Leser hier erfahren.


Roy Acuff mit Thomas Fürst vom Music-Eagle

Geboren wurde Roy Claxton Acuff am 15. September 1903 in Maynardville / Tennessee, ein kleiner Ort am Rande des Gebirges Smokey Mountains. Eine Tatsache, die später den Ausschlag gab, dass Acuff seine Band die Smokey Mountain Boys nannte. Als Kind hörte Mr. Roy in einer Baptistenkirche, in der sein Vater sowohl Priester, als auch Richter war, den Gesang alter Bergleute, sie sangen alte Balladen in einem ungewöhnlichem Gesangsstil, indem sie möglichst hoch und nasal  die Töne herauspressten. Ein Hörerlebnis, dass Mr. Roy für immer beeinflussen sollte. Als die Familie in das etwa fünfzig Kilometer entfernte Knoxville umzog, hatte Acuff mindestens genauso viel Spaß an Ballspielen, wie Baseball, und Raufen, wie an der Musik. Eines Tages musste er sogar mal kurz in ein Gefängnis, wegen einer Schlägerei, ansonsten ist Mr. Roy aber nicht in das typische Klischee der Countrysänger zu pressen, nach welchem jeder Countrysänger mal in schlechten Zeiten leben musste oder eine Zeit im Knast gewesen sein muss. Im Gegenteil, Roy Acuff war immer ein angesehener US Bürger, tadelfrei.

Nach einem Angelausflug im Jahre 1929 beendete Mr. Roy das Baseballspielen, nachdem er einen Sonnenstich bekommen hatte und darunter lange zu leiden hatte. Er hielt es für besser nicht mehr so viel in die Sonne zu gehen. An dieser Stelle beginnt dann die musikalische Karriere von Roy Acuff, die ihm den "Adelstitel" The King Of Country Music einbrachte. Roy Acuff schloss sich der Medicine Show von Doc Hauer an. Medicine Shows waren damals noch sehr beliebt in Amerika. Man muss sich diese Shows ungefähr so vorstellen: Einige Leute fahren von Ort zu Ort und führen auf dem Marktplatz Kunststücke, kleine Theaterstücke, Variete oder eben Musik vor. Eintritt war dafür nicht zu zahlen, das Ensemble lebte von den Einnahmen, der während der Show feil gebotenen und verkauften Produkte, zunächst war es immer irgend eine Art von Wundermedizin, später auch besondere Hausmittel oder Schuhsohlen, die sich niemals ablaufen und einiges andere unnütze Zeug eben. Die Ärzte in den Shows waren in aller Regel gar keine, so auch nicht Doc Hauer. In dieser Zeit lernte Mr. Roy wie man Menschen mit einer Show begeistert und er lernte das imitieren von Geräuschen und ganz besonders gut konnte er eine Zugpfeife nachmachen. Ein Markenzeichen von Acuff bis zum Ende seiner musikalischen Laufbahn.

Dann wurde Acuff von einer lokalen Band abgeworben, den Tennessee Crackerjacks, sie spielten im Radio WROL. Der Durchbruch kam, als Roy Acuff den christlichen Song The Great Speckled Bird im Radio sang (damals waren die meisten Radioprogramme live - auch die Musik). Das Plattenlabel ACR , welches Schallplatten an die wichtigsten Händler im ganzen Land vertrieb meldete sich bei Acuff. Er nahm dann einige Stücke für ACR auf unter anderem The Great Speckled Bird und The Wabash Cannonball, wobei er auf dieser Aufnahme nicht sang, sondern nur seine Imitation der Trainwhistle (Zugpfeife) beisteuerte. Einige der Aufnahmen wurden unter dem Namen Bang Boys veröffentlicht, diese Aufnahmen, sind in Sammlerkreisen heute nahezu unbezahlbar.

1938 sollte sich das künftige Leben von Roy Acuff ändern. Er wurde in die Grand Old Opry  eingeladen, um dort zu singen. Natürlich sang er den Great Speckled Bird. Diesen Song sollte Roy Acuff bis zu seinem letzten Auftritt in der Opry immer wieder singen und auch der Wabash Cannonball sollte ihn bis zum Schluss begleiten. Ein Jahr später nannte Acuff seine Band die Smokey Mountain Boys und es kam Pete Bashful Brother Oswald Kirby mit seinem Dobro (siehe dazu auch die kleine Instrumenten-Kunde in diesem Heft) in die Band. Eine Partnerschaft die ein Leben lang halten sollte. Zu Beginn der vierziger Jahre hatte Acuff dann eine ganze Reihe von Hits, wie zum Beispiel: The Precious Jewel, Fireball Mail und The Wreck On The Highway. 1948 hatte Acuff einen # 8 Country Hit mit Waltz Of The Wind, welches gerade von Hermann Lammers Meyer zu neuem Leben erweckt wurde und der Titelsong seiner aktuellen CD ist.

Bereits 1942 gründete Roy Acuff gemeinsam mit Fred Rose den ersten modernen Musikverlag, der sich auf Country Music spezialisiert hatte, die Acuff-Rose Group Of Publishers. Roy begriff, dass mit der Vermarktung von Rechten an Musikstücken Geld zu verdienen ist. Er brauchte aber einen Partner , der sich mit dem amerikanischen Urheber- und Veröffentlichungsrecht auskannte, er fand diesen Partner in der Person von Fred Rose, der in Chicago als Musiker und Songschreiber tätig war. Der Verlag begann im Oktober 1942 mit der Vermarktung der Rechte der Songs von Roy Acuff, der Erfolg stellte sich schnell ein. Es wurde begonnen Songschreiber unter Vertrag zu nehmen, die die Rechte an ihren Liedern dem Verlag verkauften, später gab es außer dem Ankauf von Rechten auch die Auftragsverwaltung, Künstler baten Acuff-Rose sich um die Vermarktung ihrer Lieder zu kümmern und sowohl der Künstler, als auch der Verlag bekam einen prozentualen Anteil an den Einnahmen aus dem Song. Dies war für die Künstler von Vorteil, denn so war sichergestellt, dass sich jemand um diese Angelegenheiten kümmern würde. Bei diesem Geschäft ging es um die Rechte, die Songs aufzunehmen oder zum Beispiel um die Gebühren die eine Radiostation zahlen musste, wenn sie einen dieser Songs sendete. Dass es dabei um viel Geld geht ist einleuchtend, denn einige spitzen Songs wurden im Laufe der Jahre 3 Millionen und sogar 4 Millionen mal (I Can´t Stop Loving You) im Radio gespielt - weltweit. 1948 nahm Acuff-Rose einen Songschreiber unter Vertrag, der sich als Hitlieferant aller erster Güte herausstellen sollte, es handelte sich um den Eingangs erwähnten Hank Williams sr.. Noch ist Acuff-Rose einer größten und reichsten Musikverlage der Welt und es wird unermüdlich weiter gearbeitet, auch wenn die alten Herren Roy und Fred sich schon längst aus dem Geschäft zurückgezogen hatten. Auch in den Neunzigern hat die Firma Superhits unter ihren Fittichen, wie zum Beispiel Alan Jacksons Love´s Got A Hold On You geschrieben von Keith Steagall  und Carson Chamberlain oder Rockin´ In The Arms Of Your Memory geschrieben von Dean Dillon und Norro Wilson und von George Strait 1996 auf seiner CD Blue Clear Sky aufgenommen. Die Acuff -Rose Music Inc. hatte im Laufe der vielen Jahre viele unterschiedliche Wege gefunden Musik zu vermarkten, zum Beispiel das Betriebseigene Schallplattenlabel Hickory oder den Vertrieb von Songbooks. Als Eckpfeiler der Nashville-Musikindustrie sind bis heute alle möglichen Verknüpfungen und Verbindungen oder Beteiligungen an anderen Firmen entstanden, wie zum Beispiel an Museen und die Zusammenarbeit mit Opryland, was heute auch weit mehr, als ein Vergnügungspark ist.

Von 1940 bis 1949 spielte Acuff in acht Filmen mit, die allesamt auf ihn zugeschnitten waren. Aber auch später wurde Roy gerne zu Auftritten in Filmen gebeten, zum Beispiel 1979 für den Film Die Supertypen (siehe Filmtipp im MUSIC-EAGLE Juli 1999).

 Bis 1960 konnte Roy Acuff immer wieder Hits in den Top 20 Billboard Country Charts platzieren. Danach wurde es ruhiger im Verkauf seiner Schallplatten. Zum letzten mal tauchte Acuff 1989 in den Charts auf, Platz 87, ein Duett mit Charlie Louvin und dem alten Hit The Precious Jewel. 1962 wurde Mr. Roy als erster noch lebender Künstler in die Ruhmeshalle der Country Musik aufgenommen, in die Country Music Hall Of Fame (alle bis dahin aufgenommenen Mitglieder, erhielten diese Ehre erst postum). 1987 bekam er einen Grammy für sein Lebenswerk. Wer sich heute mit dem musikalischen Werk von Roy Acuff befassen möchte, sollte sich die CD The Essential Roy Acuff kaufen (zu beziehen zum Beispiel bei: Hillbillie Guesthouse -Tel.: 0441/486 08 26, dort ist sogar noch eine größere Auswahl an CDs mit Roy Acuff vorrätig).

Bis in siebziger Jahre hinein tourte Acuff unermüdlich. Unter anderem zusammen mit Elvis Presley in den Fünfzigern. Dann beschloss Roy fortan nicht mehr auf Konzerttourneen zu gehen. In der Grand Ole Opry trat er jedoch weiterhin fast jedes Wochenende auf und jedes Mal sang er seine Songs The Great Speckled Bird und den Wabash Cannonbal und jedes Mal war das Publikum begeistert. 1981 musste Roy den Verlust seiner Ehefrau Mildred verkraften.

Roy Acuff selbst wurde nicht gesünder und zog deshalb in ein Haus, in die Nähe der Grand Ole Opry, damit sein Weg nicht mehr so weit war. Oft sass er vor seinem Haus und wurde von Fans und Musikern besucht. Sein Augenlicht ließ drastisch nach und er war ein alter kranker Mann, der nur noch deshalb Spaß am Leben hatte, weil die Welt ihn nicht vergessen hatte und immer noch auftreten konnte. Als ich Roy Acuff im Juni 1992 in seiner Gardrobe in der Grand Ole Opry traf, war ich erschrocken. Ich hörte vorher, dass Roy sich dort quasi ein zweites Wohnzimmer eingerichtet haben sollte, als ich in die Gardrobe kam, war dort aber nicht viel mehr, als ein Stuhl und ein Tisch, keinerlei persönliche Dinge mehr. Ich hatte die Gelegenheit mit Mr. Acuff zu sprechen, merkte aber, wie sehr es ihn anstrengte und stellte ihm keine Fragen, obwohl ich Dutzende gehabt hätte. Dennoch erzählte Roy, dass es ihn freut, wenn wieder traditionelle Country Musik gespielt wird, er würde seit mehr als zwanzig Jahren gegen die Verpoppung der Country Musik kämpfen er war glücklich erlebt zu haben, dass Randy Travis mit real Country Music erfolgreich war. Und er fand es toll, dass ein junger Mann aus Germany ihn kennt.......

Am 23. November 1992 starb Roy Acuff - die Radiostation WSM brachte 2 Tage ein Trauerprogramm.

Ein Bericht von Thomas Fürst

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